Günther Fischer

Mein Name ist Günther Fischer, ich bin am 21.08.1964 geboren und 187 cm groß....alles weitere folgt nun.

Karfreitag 2004....wir, das heißt meine Frau und ich waren zum Kaffee eingeladen...aber was am besten anziehen? Egal, welche Hose ich auch aus dem Schrank holte, sie passten einfach alle nicht so richtig. Und das schlimmste, sie ließen sich vorne am Bauch einfach nicht mehr schließen. Verzweiflung und Frust machten sich breit...so kann das auf keinen Fall weitergehen dachte ich mir. Aber was tun..............?? Mein Gewicht lag mittlerweile bei fast 120 Kilogramm und die Rückenbeschwerden wurden auch immer schlimmer, zumal ich auch noch einem handwerklichen Beruf nachgehe. Auf jeden Fall teilte ich an diesem Tag meiner Frau Sabine mit, das ich ab heute abnehmen will, koste es was es wolle! Am Anfang habe ich dann versucht, einfach weniger zu essen ( vor allen Dingen Süßes ), was aber gar nicht so einfach war wie gedacht. Das man sich auch gesund ernähren kann und trotzdem dabei auch satt wird, das habe ich erst sehr viel später so nach und nach heraus gefunden. Mein Arbeitskollege Thomas, ein ambitionierter Marathonläufer meinte, ich sollte es mal mit Laufen versuchen. In unserem Nachbarort gibt es einen Waldsport Pfad mit einer Gesamtlänge von 3,2 Km. Hier wollte ich mein Glück versuchen, musste aber nach ca. 300 Meter feststellen, das ich mit meiner Kondition und meiner Kraft schon völlig am Ende war. Die Lunge brannte ( hier muss ich zu meiner Schande gestehen, das ich seit meinem 14 Lebensjahr rauchte ) und die Beine schmerzten. Mit abwechselndem Gehen und Laufen habe ich dann die Qual dieser Runde hinter mich gebracht. Und der Muskelkater danach war alles andere als angenehm.
Trotzdem ging es im Laufe der Wochen und Monate immer ein wenig besser und die Kilos purzelten, wenn auch nur langsam. Im Juli nahm ich mit einem Freund zum ersten Mal an einem Schnupperlauf über drei Kilometer teil. Den habe ich zwar am Stück geschafft, war aber anschließend völlig erschöpft. Gegen Ende des Jahres habe ich dann zum ersten Mal die 10 Kilometer am Stück geschafft ( ca. 75 Minuten, mittlerweile 45:10 Bestzeit ). Allerdings musste ich hier feststellen, das Laufen und Rauchen einfach nicht in Einklang zu bringen sind. Am 14.02.2005 habe ich dann das Rauchen eingestellt, auch wenn ich dabei gefühlsmäßig die ersten Wochen durch die Hölle gegangen bin.
Mein Kollege flachste immer mit mir, ich sollte doch auch mal einen Marathon in Angriff nehmen. Irgendwie unvorstellbar für mich, aber es weckte auch meinen Ehrgeiz. Und so begann ich eifrig zu trainieren, was mir von meiner Frau und unseren Freunden und Bekannten nur Kopfschütteln und Unverständnis einbrachte, zumal ich auch noch ein Laufseminar bei Stefan Wohllebe ( kein Unbekannter unetr Läufern ) besuchte. Mit den zunehmenden Trainingskilometern kamen dann aber auch leider Schmerzen im Fuß und im Knie. Ein Besuch beim Orthopäden brachte dann die Diagnose Hallux Valgus, und die sollte mit Einlagen behandelt werden. Im Sanitätshaus sagte man mir, ich sollte es zusätzlich mit Krankengymnastik für meine Füße probieren. Also besorgte ich mir ein Rezept und anschließend einen Termin bei einer Krankengymnastin im Nachbarort ( Ich habe Ihr sehr viel zu verdanken, Sie hat mir wirklich die Augen geöffnet !!!!!!!! ). Nach eingehender Diagnose stellte Sie fest, das meine Schmerzen wohl eher von einer völlig verkürzten Rückenmuskulatur her rühren ( 20 Jahre Couching hinterlassen eben auch ihre Spuren ). Ich muss sagen, Sie hat mich ganz schön gequält und geschunden, aber damit sicherlich auch sehr geholfen! Nach abgeschlossener Behandlung bekam ich von Ihr noch viele Übungen für zu Hause mit auf den Weg, die ich noch heute täglich absolviere.
Auf jeden Fall habe ich mein Training weiter ausgedehnt, auch mit Hilfe meines Arbeits- und mittlerweile auch Laufkollegen Thomas ( auch Ihm habe ich sehr viel zu verdanken, er hat mich immer motiviert nie aufzugeben ) und bin am 30.10.2005 tatsächlich meinen ersten Marathon in Frankfurt gelaufen. Leider hat mich eine Grippe vorher für drei Wochen völlig aus der Bahn geworfen und so hatte ich auch mächtig die Hosen voll vor meinem ersten „Wahren Lauf“ und Kilometer 30, den mir alle als Schwelle der Wahrheit und des Hammermanns voraussagten. Glücklicherweise habe ich dann ziemlich erschöpft, aber völlig unbeschadet nach 5:08:17 das Ziel erreicht...und es war ein unbeschreibliches Gefühl, in diesem Moment brachen alle emotionalen Dämme....was für ein gigantisches Erlebnis!!
Mittlerweile bin ich insgesamt fünf Marathons gelaufen ( Bestzeit zwar nur 4:27,aber das kann sich ja noch ändern ), über drei Jahre Nichtraucher und knapp 30 Kilo leichter.....und ich habe mich in meinem ganzen bisherigen Leben noch nie so frisch, frei und wohl gefühlt, ganz zu schweigen vom völlig neuen Selbstvertrauen und Selbstwertgefühl. Auch wenn ich heute immer noch ein Kopfschütteln aus meinem Umfeld ernte...damit kann ich sehr gut leben.
Niemals hätte ich mir träumen lassen, das sich mein Leben einmal so radikal verändert, Laufen ist mittlerweile wie eine Sucht und eine Befreiung gleichzeitig...und absolut nicht mehr wegzudenken.
Ich kann es nur jedem empfehlen, es zu versuchen....es gibt einem mehr, als man sich vorstellen kann. An dieser Stelle möchte ich mich bei meiner geliebten Frau Sabine für alles bedanken; seelische und medizinische Betreuung, Massagen, Hilfe bei der Ernährungsumstellung, Begleitung zu unzähligen Volksläufen, Begleitung mit dem Rad bei langen Trainingsläufen, Bekämpfung der angefallen Wäscheberge und noch vieles mehr. Ohne Ihr Verständnis, Ihre Rücksicht und Ihre aktive Mithilfe hätte ich es sicherlich nicht so weit geschafft und dafür bin ich Ihr unendlich dankbar.

Sollte diese Geschichte veröffentlicht werden, so wünsche ich mir, das sie anderen Menschen Mut und Inspiration gibt. Wenn ich eins aus all dem gelernt habe, dann das es für einen Neuanfang nie zu spät ist.

Mit vielen lieben und freundlichen Grüßen
Günther Fischer


2